Ausstellung Paul Gaugin, Fondation Beyeler, Riehen / Basel, bis 28. Juni

Déjà vu. Lässiger Schlaghosen-Dress, meditative Stimmung, heitere Farbmelancholie, paradiesische Harmonie – von 1892. Ta Matete / Le Marché von Paul Gauguin wirkt mit seinen stillen Zeichen, als wäre es ein gemalter Schnappschuss aus den frühen Zeiten von Flowerpower und Hippie-Auflehnung gegen das Establishment. Wo im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts die Warenwelten in Schaufenstern und Passagen den Dandy, den Flaneur inspirierten, so weckten das unschuldige Nichtstun und die unverbrauchte Natur der Südsee sowie die mit sich im Einklang befindenden Menschen den 1891 von Paris nach Tahiti gereisten Ex-Börsenmakler Paul Gauguin. Die Paul-Gauguin-Schau entwirft mit ihren über 50 Werken ein Panorama alternativer Lebensformen, die nicht mit Geld und industriellem Dienstleistungs-Arbeitsleben grundiert sind, sondern mit der Idee einer Einheit von Natur und Mensch. Kein falscher Romantizismus. Es gibt kein Paradies auf Erden, weder 1892 noch heute. Doch Paul Gauguins explosiv kolorierte Lebensfreude – gebrochen mit den introvertierten Blicken der Südsee-Menschen – provoziert in seinen Bildern auch über 100 Jahre nach ihrer Entstehung einen Schock der Erkenntnis. So wie der Geld-getriebene Großstadtrhythmus den Pariser Börsenmakler Gauguin in die heilen Naturwelten Tahitis drängte, so regiert heute die Sehnsucht nach dem individuellen Weg zum Down-Sizing, zum Herunterkommen. Der massenhafte Rush-hour-Lebensrhythmus von heute mit angeschlossenem Fernseh-Langeweile-Ghetto provoziert Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Eine Gesellschaft, in der Burnout ein kollektives Lebensgefühl zu sein scheint, sucht nach ruhigen Momenten ohne Zweck. Einfach so sein, für sich und bei sich sein. Das ist das Lebensgefühl, das Paul Gauguin, ein meditativer Aufrührer der farbenprächtigen Stille, zeitlos in seinen Bildern gebannt hat.

Bild oben: Paul Gauguin, TA MATETE / LE MARCHÈ, 1892; Kunstmuseum Basel, Schenkung von Dr. h. c. Robert von Hirsch, 1941; Foto: © Private Publishing, Wolfgang Timpe

Paul Gauguin, Parau api, 1892; Quelles nouvelles? Was gibt's Neues?; Öl auf Leinwand, 67 x 91 cm; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister; Foto: Jürgen Karpinski

Paul Gauguin, Parau api, 1892; Quelles nouvelles?
Was gibt’s Neues?; Öl auf Leinwand, 67 x 91 cm; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister; Foto: Jürgen Karpinski

Paul Gauguin, D’où venons-nous? Que sommes-nous? Où allons-nous?, 1897/98; Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?; Öl auf Leinwand, 139,1 x 374,6 cm; Museum of Fine Arts Boston, Tompkins Collection, Arthur Gordon Tompkins Fund; Foto : © 2015 Museum of Fine Arts, Boston

Paul Gauguin, D’où venons-nous? Que sommes-nous? Où allons-nous?, 1897/98; Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?; Öl auf Leinwand, 139,1 x 374,6 cm; Museum of Fine Arts Boston, Tompkins Collection, Arthur Gordon Tompkins Fund; Foto : © 2015 Museum of Fine Arts, Boston

Paul Gauguin, Aha oe feii?, 1892; Eh quoi! tu es jalouse? Wie! Du bist eifersüchtig?; Öl auf Leinwand, 66 x 89 cm; Staatliches Museum für Bildende Künste A.S. Puschkin, Moskau; Foto: © Staatliches Museum für Bildenden Künste A.S. Puschkin, Moskau

Paul Gauguin, Aha oe feii?, 1892; Eh quoi! tu es jalouse? Wie! Du bist eifersüchtig?; Öl auf Leinwand, 66 x 89 cm; Staatliches Museum für Bildende Künste A.S. Puschkin, Moskau; Foto: © Staatliches Museum für Bildenden Künste A.S. Puschkin, Moskau

Paul Gauguin, Arearea, 1892; Joyeusetés (I) Vergnügen (I); Öl auf Leinwand, 75 x 94 cm; Musée d'Orsay, Paris, Legat von M. und Mme Lung, 1961; Foto: © RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Paul Gauguin, Arearea, 1892; Joyeusetés (I)
Vergnügen (I); Öl auf Leinwand, 75 x 94 cm; Musée d’Orsay, Paris, Legat von M. und Mme Lung, 1961; Foto: © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski

Paul Gauguin, Femme à lʼéventail, 1902; Frau mit Fächer; Öl auf Leinwand, 91,9 x 72,9 cm; Museum Folkwang, Essen; Foto: © Museum  Folkwang, Essen

Paul Gauguin, Femme à lʼéventail, 1902; Frau mit Fächer; Öl auf Leinwand, 91,9 x 72,9 cm; Museum Folkwang, Essen; Foto: © Museum Folkwang, Essen

Paul Gauguin, Nafea faaipoipo, 1892; Quand te maries-tu?  Wann heiratest Du?; Öl auf Leinwand, 105 x 77,5 cm  Sammlung Rudolf Staechelin; Foto: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

Paul Gauguin, Nafea faaipoipo, 1892; Quand te maries-tu? Wann heiratest Du?; Öl auf Leinwand, 105 x 77,5 cm
Sammlung Rudolf Staechelin; Foto: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

Paul Gauguin, Baigneurs, 1902; Badende, Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm; Privatsammlung

Paul Gauguin, Baigneurs, 1902; Badende, Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm; Privatsammlung

Paul Gauguin, Arearea, 1892; Joyeusetés (I) Vergnügen (I); Öl auf Leinwand, 75 x 94 cm; Musée d'Orsay, Paris, Legat von M. und Mme Lung, 1961; Foto: © RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Paul Gauguin, Arearea, 1892; Joyeusetés (I)
Vergnügen (I); Öl auf Leinwand, 75 x 94 cm; Musée d’Orsay, Paris, Legat von M. und Mme Lung, 1961; Foto: © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski

Paul Gauguin, Rupe Rupe, 1899; La cueillette des fruits, Obsternte; Öl auf Leinwand, 128 x 190 cm; Staatliches Museum für Bildende Künste A.S. Puschkin, Moskau; Foto: © Staatliches Museum für Bildenden Künste A.S. Puschkin, Moskau

Paul Gauguin, Rupe Rupe, 1899; La cueillette des fruits, Obsternte; Öl auf Leinwand, 128 x 190 cm; Staatliches Museum für Bildende Künste A.S. Puschkin, Moskau; Foto: © Staatliches Museum für Bildenden Künste A.S. Puschkin, Moskau

Paul Gauguin, Cavaliers sur la plage (II), 1902; Reiter am Strand (II); Öl auf Leinwand, 73,8 x 92,4 cm; Privatsammlung

Paul Gauguin, Cavaliers sur la plage (II), 1902; Reiter am Strand (II); Öl auf Leinwand, 73,8 x 92,4 cm; Privatsammlung

Paul Gauguin, Autoportrait à la palette, ca. 1893/94; Selbstbildnis mit Palette; Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm  Privatsammlung

Paul Gauguin, Autoportrait à la palette, ca. 1893/94; Selbstbildnis mit Palette; Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm
Privatsammlung

Paul Gauguin, Contes Barbares, 1902; Barbarische Erzählungen; Öl auf Leinwand, 131,5 x 90,5 cm; Museum Folkwang, Essen; Foto: © Museum Folkwang, Essen

Paul Gauguin, Contes Barbares, 1902; Barbarische Erzählungen; Öl auf Leinwand, 131,5 x 90,5 cm; Museum Folkwang, Essen; Foto: © Museum Folkwang, Essen

Paul Gauguin, La Vision du sermon, 1888; Die Vision der Predigt; Öl auf Leinwand, 72,2 x 91 cm; Scottish National Gallery, Edinburgh

Paul Gauguin, La Vision du sermon, 1888; Die Vision der Predigt; Öl auf Leinwand, 72,2 x 91 cm; Scottish National Gallery, Edinburgh

Paul Gauguin, 1891; Foto: akg-images

Paul Gauguin, 1891; Foto: akg-images