„Den Mut zu haben, das Undenkbare zu denken und auch danach zu handeln, ist das, was bleibt.“

Der SPD-Politiker Egon Bahr (* 18.03.1922 – † 19.08.2015) war u.a. Bundesminister für besondere Aufgaben (1972-1974) und Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1974-1976). Unter dem von ihm geprägten Leitgedanken „Wandel durch Annäherung“ war er Spin-Doctor und kreativer Kopf der unter Bundeskanzler Willy Brandt ab 1969 eingeleiteten Ost- und Deutschlandpolitik.

Egon Bahr (†) im Juli 2014: „Der Apfelbaum ist für mich ein Symbol der Hoffnung, das über den Tag hinaus besteht. Bis zum Ende der Geschichte dauert es noch eine ganze Weile. Scheint die Lage auch ausweglos – man darf nicht resignieren vor dem, was absolut oder angeblich oder wahrscheinlich unvermeidbar ist. Den Mut zu haben, das Undenkbare zu denken und auch danach zu handeln, ist das, was bleibt. Das war auch der Schlüssel unserer Ostpolitik. Ein Tabubruch zur damaligen Zeit: Dem Gegner, dem man bis dahin den Rücken zugedreht hatte, haben wir uns angenähert. Wir haben uns allein auf die Interessen beider deutscher Staaten für bessere Beziehungen konzentriert. Von ideologischen Fragen, wie den Menschenrechten, haben wir uns ferngehalten. Keiner versuchte, den anderen zu bekehren. Im Hintergrund stand das Wort Willy Brandts: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ Der Friede ist der oberste Wert. Alles andere kommt danach: Freiheit, Demokratie, Menschenrechte. Denn wir können sie nur erhalten, wenn es keinen Krieg gibt.”

Egon Bahr (†) im Juli 2014 über sein gesellschaftspolitisches Erbe. Aus: Interview für die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“; Foto: © Fred Ihrt / picture alliance, aus: faz.net
Egon Bahr, vor seinem Privatwagen auf dem Venusberg, Bonn, 1974; © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Egon Bahr (†) vor seinem Privatwagen auf dem Venusberg, Bonn, 1974; © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Der „stern“ am 20. August 2015 über Egon Bahr (†): „Egon Bahr galt als engster Vertrauter des langjährigen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt. In Brandts Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin war der Journalist Bahr dessen Pressesprecher. Anschließend ging er mit Brandt 1966 in die Große Koalition nach Bonn, wurde 1969 unter Brandt Staatssekretär im Bundeskanzleramt. In dieser Funktion verhandelte er Anfang der 1970er-Jahre den Moskauer und den Warschauer Vertrag wie den Grundlagenvertrag mit der DDR.
Bahr formulierte bereits 1963 das Motto ,Wandel durch Annäherung’. Auf ihn geht maßgeblich die sogenannte ,Politik der kleinen Schritte’ zurück, mit der die sozialliberale Koalition ab 1969 die Aussöhnung mit dem Osten vorantrieb. Ziel war es, das Leben für die Menschen im geteilten Deutschland zu erleichtern und langfristig eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten möglich zu machen. Seinen eigenen Beitrag an der Ost- und Entspannungspolitik beschrieb Bahr selbst so: ,Ich war der Architekt, Brandt war der Bauherr – und der Bauherr entscheidet.’“

Rezensionen zu Egon Bahr Buch „Das musst du erzählen“ finden Sie hier: perlentaucher.de