Kinetische Kunst in Basel

Kunst-Ausstellung Alexander Calder & Fischli/Weiss noch bis 4. September in der Fondation Beyeler, Riehen/Basel. Alexander Calder wurde am 22. Juli 1898 geboren und wäre in diesem Monat 118 Jahre alt geworden. Der herausragende amerikanische Künstler ist der Meister des fragilen Gleichgewichts in der Moderne. Mit der wegweisenden Schöpfung des Mobiles hat er die Balance zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit erlebbar gemacht. Sein Werk ist der Suche nach dem Gleichgewicht gewidmet, was auch das Hauptthema der diesjährigen Sommerausstellung der Fondation Beyeler ist. Die Werke von Calder und Fischli/Weiss sind noch bis zum 4. September 2016 in der Fondation Beyeler zu sehen.
Ausgewählte Werkgruppen Calders treten in der aktuellen Schau der Fondation Beyeler in einen offenen und raumübergreifenden Dialog mit Arbeiten von Peter Fischli und David Weiss. Die Schwerpunkte, entlang denen sich die Präsentation entfaltet, folgen entscheidenden historischen Momenten in Calders Schaffen. Sie erstrecken sich vom Werk Cirque Calder aus den 1920er-Jahren über den Schritt zur Abstraktion und die Erfindung des Mobiles Anfang der 1930er-Jahre bis hin zum souveränen und fulminanten Spiel mit den formalen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben haben. Kontrapunkte bilden die konzeptuellen Werke von Peter Fischli und David Weiss, die der Ausstellung ihren besonderen Charakter verleihen.
Mit der gleichen lustvollen Unermüdlichkeit entwickelten sie – in Filmen und Skulpturen, mit Sprache, Fotografie und Malerei – ein unwiderstehliches Wechselspiel von Balance, Klarheit und Übersicht, in dem allerdings Unwägbarkeiten und Stolpersteine gegenüber der Eleganz und dem Selbstverständnis der grossen Geste der Moderne – wie sie das Mobile verkörpert – oft die Oberhand gewinnen. (FB)

Alexander Calder La Demoiselle, 1939 Metallblech, Draht und Rundstab, bemalt, 148,6 x 53,3 x 74,9 cm Glenstone Museum © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich Foto: Tim Nighswander / Imaging4Art.com

Kunst & Skulptur I –,La Demoiselle: Alexander Calder, La Demoiselle, 1939; Metallblech, Draht und Rundstab, bemalt; 148,6 x 53,3 x 74,9 cm; Gleistone Museum; © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich; Foto: Tim Nighswander / Imaging4Art.com

Alexander Calder The S-Shaped Vine, 1946 Metallblech und Draht, bemalt, 250,2 x 200,7 cm The Eli and Edythe L. Broad Collection © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich Foto: Calder Foundation, New York / Art Resource, New York

Kunst & Skulptur II – The S-Shaped Vine: Alexander Calder, The S-Shaped Vine, 1946; Metallblech und Draht, bemalt; 250,2 x 200,7 cm; The Eli and Edythe L. Broad Collection; © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich; Foto: Calder Foundation, New York / Art Resource, New York

Alexander Calder Apple Monster, 1938 Holz und Draht, bemalt, 167,6 x 141 x 82,6 cm Calder Foundation, New York, Schenkung von Alexander S.C. Rower in Gedenken an Mary Calder Rower, 2015 © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich Foto: Calder Foundation, New York / Art Resource, New YorkKunst & Skulptur III – Apple Monster: Alexander Calder, Apple Monster, 1938; Holz und Draht, bemalt; 167,6 x 141 x 82,6 cm; Calder Foundation, New York; Schenkung von Alexander S.C. Rower in Gedenken an Mary Calder Rower, 2015; © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich; Foto: Calder Foundation, New York / Art Resource, New York

Peter Fischei / David Weiss Ein neuer Tag beginnt, 1984; Aus der Serie Equilibres (Stiller Nachmittag); C-Print, 46 x 31 cm; Studio Fischli/Weiss; © Peter Fischli David Weiss; Foto: Fischli/Weiss Archiv, Zürich

Kunst & Skulptur IV – Ein neuer Tag beginnt: Peter Fischli / David Weiss, Ein neuer Tag beginnt, 1984; Aus der Serie Equilibres (Stiller Nachmittag); C-Print, 46 x 31 cm; Studio Fischli/Weiss; © Peter Fischli David Weiss; Foto: Fischli/Weiss Archiv, Zürich

Peter Fischei und David Weiss; Die Gesetzlosen, 1984; Aus der Serie Equilibres (Stiller Nachmittag); C-Print, 46 x 31 cm; Studio Fischli/Weiss; © Peter Fischli David Weiss; Foto: Fischli/Weiss Archiv, Zürich

Kunst & Skulptur V – Die Gesetzlosen: Peter Fischli und David Weiss; Die Gesetzlosen, 1984; Aus der Serie Equilibres (Stiller Nachmittag); C-Print, 46 x 31 cm; Studio Fischli/Weiss; © Peter Fischli David Weiss; Foto: Fischli/Weiss Archiv, Zürich

Alexander Calder, The General Sherman, 1945; Metallblech, Rundstab und Draht, bemalt; 81,3 x 111,8 x 58,4 cm; Julie und Edward J. Minskoff; © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich

Kunst & Skulptur VI – The General Sherman: Alexander Calder, The General Sherman, 1945; Metallblech, Rundstab und Draht, bemalt; 81,3 x 111,8 x 58,4 cm; Julie und Edward J. Minskoff; © 2016 Calder Foundation, New York / ProLitteris, Zürich

Lebenslauf: Alexander Calder (* 22. Juli 1898 in Lawnton, Pennsylvania; † 11. November 1976 in New York) war ein US-amerikanischer Bildhauer der Moderne. Ein Großteil seines Werkes ist der kinetischen Kunst zuzuordnen.

Alexander Calder stammte aus einer bedeutenden Bildhauerfamilie. Sein Großvater Alexander Milne Calder gestaltete die 250 Figuren der City Hall von Philadelphia, und auch sein Vater Alexander Stirling Calder war ein bekannter Bildhauer. Alexander Calder begann seine künstlerische Arbeit als Autodidakt, indem er neben seiner Berufstätigkeit, unter anderem als Schiffsheizer, Landschaften malte. Von 1915 bis 1919 absolvierte Calder ein Ingenieurstudium am Stevens Institute of Technology in Hoboken, New Jersey, bevor er von 1923 bis 1926 Zeichen- und Malkurse an der Art Students League in New York belegte und von 1924 bis 1926 als Zeichner bei der Zeitschrift The National Police Gazette sein Geld verdiente.
1926 bis 1927 hielt sich Calder in Paris auf, wo seine erste Holzskulptur entstand. Ab 1927 entstand in dem von ihm mitbewohnten Atelier von Arno Breker sein erstes bewegliches Spielzeug und 1929 seine ersten beweglichen Drahtkonstruktionen, „sowie der berühmte Zirkus, eine aus verschiedenen Materialien erstellte Spielzeugmanege voller Draht–Akrobaten, mit denen Calder ganze Aufführungen für Freunde gestaltete.“ Calder zog 1930 nach Paris, besuchte hier die Académie de la Grande Chaumière und lernte andere zeitgenössische Künstler kennen, unter anderem Piet Mondrian und Fernand Léger. Aus der Begegnung mit Piet Mondrian entstanden seine ersten Mobiles, die scheinbar nicht der Schwerkraft unterliegen. Mit ihnen wurde er schließlich bekannt und hatte 1931 eine erste größere Ausstellung in Paris. Er war seit 1932 Mitglied der Künstlergruppe Abstraction-Création, die Einfluss auf seine Entwicklung hin zur Abstraktion hatte.
1933 siedelte Calder nach Roxbury/Connecticut über, wo er 1934 das erste für den Außenraum konzipierte Mobile anfertigte, daneben aber auch erste abstrakte Großskulpturen. Ein wichtiges Anliegen war ihm, ausgehend von Bemühungen von Marcel Duchamp – dieser taufte „die mit Hand- oder Motorantrieb betriebenen bewegten Konstruktionen von Calder ‚Mobiles‘“[2] – und anderen, Abstraktion und Bewegung miteinander zu verbinden. Neben seinen Mobiles, die durch die Luftzirkulation bewegt werden, konstruierte er auch von Motoren angetriebene Skulpturen. Für die Weltausstellung 1937 in Paris baute er für den spanischen Pavillon einen Quecksilberspringbrunnen zum Gedenken an die Todesopfer des Quecksilberabbaus. Weitere Werke im spanischen Pavillon waren unter anderem die Wandbilder von Pablo Picassomit dessen weltbekanntem Guernica sowie Le Faucheur (Der Schnitter) von Joan Miró, das als verschollen gilt. Heute befindet sich Calders Brunnen in der Fundació Joan Miró.
BMWArtCar-CalderPremiere: Alexander Calder bemalt das erste BMW Art Car. Foto: André M.; BMW 3.0 CSL; 1975; bemalt von Alexander Calder; BMW AG

Alexander Calder in Deutschland
Im Juni 1952 fand in der Wuppertaler Galerie Parnass Calders erste Einzelausstellung Calder Mobile in Deutschland statt. Alexander Calder zählt zu den Hauptvertretern der kinetischen Plastik. Von dem lebenslangen und konstruktiven künstlerischen Austausch mit seinem Freund Joan Miró zeugen zahlreiche Querverweise in den Werken der beiden Künstler. Alexander Calder war Teilnehmer der documenta I (1955), der documenta II (1959) und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel. 1959 wurde er in die American Academy of Arts and Science gewählt. 1975 gestaltete er einen Rennwagen für BMW, das erste BMW Art Car.