Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter I: Franz Marc, Blauschwarzer Fuchs, 1911; Öl auf Leinwand; 50 x 63 cm; Von der Heydt-Museum Wuppertal; Foto: © Medienzentrum, Antje Zeis-Loi / Von der Heydt-Museum Wuppertal

Vorfreude auf Ikonen Klassischer Moderne: Die Ausstellung Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter vom 4. September bis 22. Januar 2017.

Informationen von Fondation Beyeler (FB) zur Präsentation in Riehen/Basel:

Zum ersten Mal seit 30 Jahren widmet sich mit Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter eine umfassende Ausstellung in der Schweiz einem der faszinierendsten Kapitel der modernen Kunst, das unter dem Titel Der Blaue Reiter berühmt geworden ist. Die Münchner Ausstellung im Jahr 1911 und die gleichnamige Künstlerbewegung generierten ein neues, revolutionäres Kunsterlebnis. Aus- gehend von den Werken Wassily Kandinskys in der Sammlung Beyeler wird dem Publikum ein Einblick in die Arbeit einer Gruppe avantgardistischer Künstler gegeben, deren Offenheit und Internationalität durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurden.

Der Blaue Reiter ist der Name des legendären Almanachs, der von Wassily Kandinsky (1866–1944) und Franz Marc (1880–1916) heraus- gegeben wurde und 1912 in München erschien. Kandinsky und Marc versammelten in diesem Buch Texte und Bilder aus unterschiedlichen Kulturen und von verschiedenen Künstlern. Der Almanach sollte die Notwendigkeit eines Epochenumbruchs der Künste zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentieren. Er zeugt von einem damals revolutionär neuen Kunst- und Weltverständnis, bei dem es nicht mehr um die Abbildung der sichtbaren Wirklichkeit ging, sondern um die Verbildlichung geistiger Fragen. Dies zeigt sich vor allen Dingen in einer Entfesselung der Farbe, die angeregt wurde durch die Voralpenlandschaft südlich von München.

Dieses Denken, vor dessen Hintergrund vor allem Kandinsky und Marc ihren Weg zur Abstraktion entwickelten, führte zu einem Wendepunkt in der abendländischen Kunstauffassung und prägte Generationen von Malern – bis heute. In der Ausstellung werden nicht nur der Almanach vorgestellt, sondern auch rund sechzig ausgewählte Werke der am Almanach beteiligten und mit Kandinsky und Marc befreundeten Künstler gezeigt.

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter; Vassily Kandinsky, Fuga, 1914; Öl auf Leinwand; 129,5 x 129,5 cm; Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler; Foto: Robert Bayer, Basel

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter II: Vassily Kandinsky, Fuga, 1914; Öl auf Leinwand; 129,5 x 129,5 cm; Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler; Foto: Robert Bayer, Basel

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter III: Franz Marc, Die grossen blauen Pferde, 1911; Öl auf Leinwand; © 1998, Walker Art Center;

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter III: Franz Marc, Die grossen blauen Pferde, 1911; Öl auf Leinwand; © 1998, Walker Art Center;

Natur, Kunst und Architektur

Informationen zum Kunst-Museum Fondation Beyeler (FB):

Ernst Beyeler sammelte während seiner 50-jährigen Galerietätigkeit stets Kunst. In den 1980er Jahren begann er, sich Gedanken über die Zukunft der Bilder und Skulpturen zu machen. Naheliegend wäre die Übergabe an das Basler Kunstmuseum gewesen. Doch als die Regierung des Kantons Basel-Stadt Ernst Beyeler Vorschläge für einen Ort als neue Heimat für die Sammlung vorschlug, wurde schnell klar, dass keine der Räumlichkeiten den Kunstwerken gerecht werden konnte. Die Stiftung wurde gegründet und die Idee, ein eigenes Museum zu bauen, war geboren. Ernst Beyeler fand es spannend, die Werkgruppen grosser Künstler der letzten 100 Jahre mit den Skulpturen aus Afrika und Ozeanien an einem dafür geeigneten Ort zu vereinen, an einem Ort, den es erst zu schaffen galt. Beeindruckt von der Arbeit Renzo Pianos, der für den Bau des Centre Pompidou in Paris sowie für die Menil Collection in Houston verantwortlich zeichnet, wurde der italienische Stararchitekt ohne Wettbewerb mit dem Bau des Museums beauftragt.

Das schöne Gelände, mit der Villa Berower Gut, das die Gemeinde Riehen zur Verfügung stellte, war wie geschaffen für einen Museumsbau, der die Seerosen von Monet beherbergen sollte. Die Idee, Natur, Tageslicht und Kunst in ein spannendes Verhältnis zueinander zu stellen, traf hier auf beste Voraussetzungen. Die Auenlandschaft mit ihrer abwechslungsreichen Vegetation hat etwas Malerisches. Ernst Beyeler und Renzo Piano pflegten während der Planung und des Baus einen intensiven Austausch. Gleich zu Beginn der Planung schlug Renzo Piano ein Gebäude vor, das aus einem dem Gelände in Stufen angepassten, dreiteiligen Museumstrakt bestehen sollte. An dessen Ostseite wurde – wie an einem Flugzeugträger – ein Gebäudeteil angegliedert, der das Museum gleichzeitig gegen die Strasse abschirmt. Im Westen öffnete ein angebauter Wintergarten den Blick zur Landschaft, die sich bis zum Fluss „Wiese“ am Fusse des Tüllinger-Hügels erstreckt.

Dem Dach widmete Renzo Piano besondere Aufmerksamkeit. Das Tageslicht sollte in seinem Wechsel in den Räumen erfahren werden, gleichzeitig mussten aber konservatorische Richtlinien eingehalten werden. Das Gebäude sollte Einfachheit ausstrahlen, jedoch im Einklang mit der Umgebung sein. Die Wünsche, das Museum respektive die Sammlung auf einer Ebene ohne Treppen zu erleben und einen Teich im Süden vor dem Gebäude anzulegen, bedingten eine Absenkung des ganzen Gebäudes. Das schuf einerseits eine Harmonie mit der Landschaft, andererseits verlieh es dem Museum einen intimeren Charakter.